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Wem gehören Land und Leute?



Irgendwann im Verlauf der Steinzeit begannen der Homo-Sapiens-Sapiens (vielleicht sogar schon der Homo- Habilis) und der Wildhund ihre jeweils getrennte Verfolgung der großen Herden gemeinsam zu veranstalten.
Eventuell resultierten solche Zusammenschlüsse aus dem wechselseitigen Aufziehen von Jungen der anderen Spezies.
Dies stellte für alle Beteiligten einen Vorteil dar, insbesondere zu einem späteren Zeitpunkt, als die globalen Temperaturen sanken und die Herden der großen Tiere sich zerstreuten und die der kleinen Tiere immer überschaubarer wurden.
Herden von Ziegen, Schafen, Rentieren usw. wären von den Wildhunden entweder verloren oder bald vollständig getötet worden.
Menschen können solche Herden aufgrund ihrer kognitiven Fähigkeiten jedoch "verwalten", wären aber nicht ohne Hunde in der Lage sie zu steuern und zusammenzuhalten.

Es entwickelte sich eine Erkenntnis, die sich als grundlegend für die Menschheitsgeschichte erweisen sollte:
"Allen anders lautenden Stimmen zum Trotz: Es ist sinnvoll, nicht alles, dessen man habhaft werden kann sofort und ungerupft in sich hineinzustopfen, sondern in die Zukunft zu denken, das was man nun hat zu vermehren und immer nur den "Überschuß" abzuschöpfen."
Sicherlich hat es damals vehemente Auseinandersetzungen um diese Regel gegeben, man sieht ja selbst heute 10 000nde von Jahren später, dass es den meisten Menschen noch immer ungeheuer schwer fällt, dieses Prinzip zu kapieren.

Mit der Verknappung des Weidelands dürfte noch eine weiter Entwicklung eingesetzt haben, nämlich das, was man mit den Ziegen schon tat nun auch gezielt mit Kürbissen und Melonen zu probieren: Die Biester zu pflanzen, zu hegen und zu pflegen, in Sicherheit zu wiegen und schließlich doch zu fressen.
Pflanzen haben einen Vorteil: sie kommen nicht vom Fleck, man muss also nicht dauernd neben ihnen herumlauern.
Sie haben aber auch einen Nachteil: sie kommen nicht vom Fleck, wenn man sie also hegen und fressen will kommt man auch nicht vom Fleck - jedenfalls nicht weit und auf unbeschränkte Zeit.
Und dann sind da noch jede Menge anderer Mistviecher, die auch ganz wild auf das Grünzeug sind, insbesondere die von der eigenen Gattung.
Gegen diese "Räuber" versucht man den lieben Kohl durch Zäune und Fallen, mit Spießen und Keulen zu schützen.


Sagten wir Zäune?

Das ergibt dann aber ein Problem: Wir können nicht einfach hingehen, im fruchtbarsten Tal, am schönsten Flüsschen einen dicken Zaun hinstellen und sagen: PRIVAT.
Jedenfalls würde ich das so sehen, insbesondere wenn ich mit meiner Herde gerade in dieses Tal käme.
Und ich würde wie überall, wenn ein Baumstamm oder eine Hecke mein Fortkommen hindert das Hindernis aus dem Weg räumen und meine Zicklein zum Fluß bringen und - lecker - liegen da nicht gleich drei dicke Kürbisse mitten in der Landschaft?
Wenn jetzt noch ein brüllender Bekloppter mit ner Keule angerannt kommt und mich totschlägt, dann befinden wir uns mitten im zweiten Kapitel der Menschheitsgeschichte bei Kain und Abel.

Wir wissen heute, dass Kain (das ist der Ackerbauer) seinen eigenen Bruder Abel (den Nomaden) auf dem Acker erschlagen hat, obwohl (oder vielleicht gerade weil) er unserer Schöpfungskraft (ob die jetzt banal Natur oder aufregender: Jehova genannt wird) wohlgefälliger war (also mehr mit ihr im Einklang handelte).

Ein schlechtgelaunter Typ, der mit einem Stecken auf dem ein Schild "PRIVAT" prangt herumschleicht ist einfach mal ein Mega-Unsympath - damals wie heute.

Unglücklicherweise sind wir aufgrund der beschriebenen Schlägerei eben fast alle Nachkommen solcher Unsympathen und unsere schlechtgelaunten Vorfahren haben ganze Arbeit geleistet: Das Errichten von Zäunen und Totschlagen von Leuten, die über den Zaun klettern ist bei uns derart in Mode gekommen, dass wir es bereits NORMAL finden.

Privatbesitz ...


Es gibt sogar Banditen, die einen Stecken mit einem Stofftuch in die Erde (und in andere Planeten) spießen, wobei sie die Embleme ihrer eigenen Mörderbande auf das Stofftuch pinseln um jedes feinfühlige Wesen, das vorbeikommt und die Drohung verstehen kann in die Flucht zu schlagen - und das Tollste: sie finden das "gerecht".

Sie brabbeln so abstruse Dinge wie: "Jedes Stückchen Land GEHÖRT doch irgendwem." womit sie sagen wollen, dass, wenn noch keine Mörderbande ihr Quartier im letzten Fleckchen Lebensraum der feinfühligen Wesen aufgeschlagen hat, es aber doch höchste Zeit war.
Sie schließen von sich auf andere und meinen die gesamte Natur müsste sich über ihre bäumefällende, räuberburgen-errichtende, alles-auf-den-Kopf-stellende Ankunft so sehr freuen, wie sie sich freuen wieder ein neues Stückchen Kosmos zu entjungfern.

Das diese Verhalten gängig oder in mathematischen Begriffen NORMAL ist, ändert überhaupt nichts an der Tatsache, dass es sich dem Grunde nach um eine Riesenschweinerei handelt.

Als ich so 14 - 15 Jahre alt war und ein Jünger der liebevollen Anarchie, habe ich viele Nächte wie ein feinfühliges Wesen unter freiem Himmel oder in windgeschützten Winkeln übernachtet.
Ich tue das nicht mehr. Ich lebe in einem Haus, habe hier einen Haufen Kram und tippe gerade in einen Computer und die Liste meiner indirekten Verbrechen an den feinfühligen Wesen und der ganzen Schöpfung gegenüber ist zu lang, als dass ich sie übersehen könnte.

Wie rechtfertige ich mich jetzt?

Gerade überlege ich mir, ein Vogelhäuschen neben meinem Fenster anzubringen - wie unzureichend! - aber ein einziges schwaches Argument möchte ich doch für meinen "Privatbesitz" vor meinem inneren Richter als mildernden Umstand anführen: an vielen Dingen hängt mein Herz.

Das gilt vorallem für diese chaotische Wohnung.
Nicht, dass sie nicht später mal ein anderer bewohnen dürfte, aber gerade jetzt, wo ich hier meine Seele in krebserzeugenden Farbdämpfen, ozonkillendem Schaumstoff und allem möglichen anderen naturvergewaltigenden Kram austobe, wo hier alles so sehr "meins" ist, möchte ich diesen Lebensraum nicht weggenommen kriegen von jemand der zwei Meter hoch und drei Meter breit ist, Arme bis zum Boden hat oder auch nicht von Horden grüngemäntelter Helmköpfe mit Knütteln und Handschellen.

Das das aber möglich ist wissen alle. Es gibt Eminenzen mit Aktenkoffern und schlechtgelaunten Gesichtern, deren Schildchen: PRIVAT mir nicht erlaubt ist von meinen Wänden zu kratzen - sonst kommen die Knüppel mit den Helmköpfen.

Wenn meine Ausreden schon extrem schwach sind, wie sehen dann die Ausreden der Aktenkoffer-Eminenzen aus, die sie ihrem inneren Richter erzählen?

Generieren wir zunächst ein solches Exemplar - Moment ... - da isser: Es schaudert einen ihn anzuschaun!

Ich erkläre mich hiermit zum Anwalt der PRIVATONORMALOS und rede mit ihm:

Er gibt sich alle Mühe freundlich zu erscheinen, er lächelt, sagt, das solche Überlegungen ja wohl nicht so ganz ernst gemeint sein könnten.

"Komm mir bloß nicht so, Kunde! ich meine das ernst - wenn eine ganzes Volk zum kollektiven Massenmörder degeneriert, weil das ja neuerdings NORMAL ist sagst Du auch 60 Jahre später:"Aber wie kommt es denn, dass alle mitgemacht haben?!"
Gerade was NORMAL ist sollte man immer wieder hinterfragen und da will ich nicht so ein rotzeblödes, dummlächelndes Achselzucken!"

Jetzt - eben hatte ich für einen kurzen Moment das Gefühl: er denkt (aber das war sicher Einbildung) - er lächelt schon wieder und beginnt nachsichtig, wie zu einem kleinen Kind zu sprechen:

"Also, stell Dir mal vor, Dein Großvater hat am Fusse eines Berges einst mit seiner Hände Arbeit, Jahr um Jahr seines Lebens ein kleines Häuschen mit einem hübschen Garten davor errichtet ... "

"Du meinst also: Er hat den Berg zerhackt, die zerhackten Stücke zu einer Höhle geschichtet und einen Haufen Gemüse, das ihm nicht weglaufen kann hinter einen Zaun gesperrt, der jedem der vorbeikommt das unbeschwerte Weitergehen verunmöglicht ..."

unbeirrt spricht er weiter:"Dein Vater ist in diesem Hause aufgewachsen, hat als junger Bursche noch Stall und Tenne daneben gestellt und später den hinteren Teil für sich und Deine Mutter hergerichtet, bevor Du dortselbst zur Welt kamst."

"Na der Großvater von der BEWOGE (das ist die Verwaltung meiner Wohnungsbaugesellschaft) war offenbar ein Workaholic, der mehr Berge zerhackt hat als sich am Blick über seinen Zaun zu freuen ... aber trotzdem irgendwie romantisch ..."

"Nun ist viel Zeit vergangen, Du bist ganz alleine auf dem Hof und ziehst nun in die Stadt - gehört das Haus dann nicht Dir und - darfst Du es nicht dann vermieten?"

"Nein!"

"Warum nicht, es steckt die Arbeit Deiner Familie darin?"

"Für die Arbeit haben sie der Natur, der all das eigentlich gehört, mehr als genug "Lohn" abgetrotzt.
Wenn ich dort jetzt meinen LEBENSRAUM hätte und meine Seele dort weilte, wie das wäre, wenn ich zum Beispiel nur mal kurz zu Besuch in die Stadt führe, dann hätte ich ein "Recht", d.h. mein innrer Richter würde mit mir übereinstimmen, dass ich das Häuschen vor fremden Besetzungen verteidigen würde.
Aber wenn ich weggehe, für immer, oder sogar mit dem Vorsatz Schutzgeld von meinem Wohnungsnachfolger zu pressen - dann hört das Häuschen auf mein LEBENSRAUM zu sein.
Im günstigen Falle zieht die Natur wieder ein, die Spinnen, Marder und Fledermäuse, ein Bär oder ein Mensch und vielleicht kann ich dadurch, dass die Spinne jetzt einen Windschutz hat ein wenig von der Schuld sühnen, die durch das Zerhacken des Berges auf meine Familie kam.
Ich habe kein "Recht" einen dreidimensionales Stück Kosmos zu beanspruchen, das mit meinem LEBENSRAUM nichts zu tun hat!"

"... und wer bezahlt die Häuser?! Wer hat sie gekauft, in Auftrag gegeben und mit welcher Intension?! Wenn ich Deinen verdammten LEBENSRAUM kaufe, bebaue usw. dann gehört er mir, verdammt, und dann kann ich ihn auch vermieten!!!" - er wird etwas hastig, ja geradezu ungeduldig.

"...und wenn Du einen Neger kaufst und 'ne Negerin und Du züchtest die und dann hast Du kleine Neger, die Deine Suppe fressen - kannst Du die dann nicht auch verkaufen und vermieten? Gehört doch dann alles Dir ..."

"... Schwachsinn, Menschen kann man nicht kaufen - das ist unethisch!"

"...aber doch erst seit es Menschen gibt, die so etwas Selbstverständliches wie Sklavenhaltung, die unser Geschlecht seit Menschengedenken betrieben hat, hinterfragen und sagen: Ist das eigentlich "Recht" die LEBENSZEIT eines anderen Menschen zu BESITZEN? ... wird es nicht mal Zeit, dass Menschen hinterfragen, ob es überhaupt "Recht" ist, den LEBENSRAUM eines anderen Menschen zu BESITZEN?..."

O.K. - ich habe gerade eine wichtige Verabredung in einem Café in der Kastanienallee - bitte lieber Leser, ich übergebe Dir das Gespräch, vielleicht findest Du ja überzeugendere Argumente als ich für diesen armen Schwachkopf ...

Lieber Leser, liebe Leserin,
als kleine Gegenleistung für das, was Du eben lesen musstest, bitte ich Dich um einen kurzen, spontanen Kommentar, der unter uns bleibt, aber sicher Einfluss hat.

Na los - zwei Zeilen!











Wenn Heroin legal und Alkohol verboten wäre:


Dann würde sich an folgenden Dingen nichts ändern:

Es würde immer noch einen sehr großen Bedarf nach "medizinischen" Methoden geben um sich der eigenen Wirklichkeit zu entziehen (man ist ängstlich, hat keine Freunde, hat Kontaktprobleme, niedriges Selbstwertgefühl, das Gefühl in der eigenen Gesellschaft nicht zuhause zu sein, erreicht Gruppenkonformität durch Drogenkonsum, ...).

Es würden weiterhin unter Drogeneinfluss Straftaten begangen werden, die den Tätern ohne Drogeneinfluss schwerer gefallen, bzw. unmöglich gewesen wären.


Folgende Dinge würden sich vermutlich ändern:

Es würde eine Klientelverschiebung Alkis zu Junkies stattfinden.

Insbesondere bei Leuten mit sehr niedrigem Bildungsniveau, besteht ein großer Bedarf nach Betäubung durch Konsum, der auf dem einfachen - d.h. nicht kriminellen - Wege gelöst werden möchte.

Dieser Wechsel hätte gesellschaftlich gesehen einige Vorteile: Der betrunkene Alki neigt dazu seinen Mitmenschen entweder mit
Selbstbeheulerei (kapputtes Selbstwertgefühl)
oder mit Obszönitäten (Kontaktprobleme)
und schließlich mit nackter Gewalt (Gruppenproblem)
zu Leibe zu rücken.

Der bedröhnte Junkie neigt dazu einzuschlafen, was doch für den Rest der Welt wesentlich angenehmer ist.

Auch die Krankenkassen würden entlastet, da Heroin in Apothekenform keine nennenswerten physiologischen Schäden verursacht - wärend Alkohol Haut, Leber, Gehirn, Magen, Blutgefässe, Herz und Milz angreift und in regelmässigen Vollrauschdosen unweigerlich zu Organversagen führt.

Auch der Alkoholentzug ist viel langwieriger, gefährlicher und schwieriger zu behandeln als der Heroinentzug.

Wäre Heroin nun auch noch in schwachdosierten Darreichunsformen verfügbar (z.B. "Heromalz Erfrischungsgetränk", "Hero-Cola", "am Ende eines langen Tages - Heroborough"), wäre der Unterschied zum "harmlosen Bierchen zwischendurch" kaum noch feststellbar.

Das Gerücht, wonach Heroin viel schneller süchtig machen soll als Alkohol würde durch praktische Erkenntnisse ersetzt.

(es gibt garantiert keine am Menschen vorgenommene Versuchsreihe, bei der beide Drogen in vergleichbaren Situationen und vergleichbarer Dosierung an vergleichbar strukturierten Versuchspersonen verabreicht worden wären)




Demgegenüber würde sich auch das Klientel der Alkoholiker verschieben.

Da der kriminelle Weg zwar der schwierigere, daher aber oft auch der attraktivere ist, würden Leute, die sich eh nicht mit dieser Gesellschaft identifizieren können sich eher für die verbotene Droge interessieren.

Selbstverständlich würde schnell eine illegale Szene entstehen, so dass bei entsprechender Bezahlung der Bedarf an Alkohol weiterhin gedeckt würde.
Aufgrund der Illegalität wäre jedoch anzunehmen, dass solche milden Darreichungsformen wie Wein und Bier bald zugunsten effektiverer Mittel aufgegeben würden.

Es ist eher zu vermuten, dass Alkohol illegal sehr hochprozentig hergestellt oder eingeschmuggelt würde. Denkbar wäre auch den Alkohol zu pulverisieren und so leichter in den Straßenhandel bringen zu können.

Außerdem eignet sich Alkohol in relativ reiner aber verdünnter Form (z.B. Gin) hervorragend zum injezieren, so dass mit einer viel geringeren Menge des sündhaft teuren Stoffes eine viel größere Wirkung erzielt werden könnte.

Aufgrund der starken Kriminalisierung wäre der Stoff ausgesprochen teuer und vermutlich auch stark gestreckt mit Mitteln, die das gesundheitliche Risiko des Konsums erheblich verschärfen würden.

Insbesondere für Jugendliche, die sowieso eine (oft zu) schnelle Persönlichkeitsentwicklung vollziehen, wäre die Alkoholszene eine große Gefahr. Wen es einmal erwischt hätte, der würde irgendwann auch vor einem Einbruch oder einem Raubüberfall nicht mehr zurückschrecken. Um das heftige Verlangen nach dem teuren Stoff zu stillen, würden die Betroffenen sich prostituieren und ihre Familie bestehlen ...

All dies würde den Status eines Alkoholabhängigen gesellschaftlich so verschlechtern, dass er/sie praktisch aus allen sozialen Gemeinschaften verstossen würde und lediglich in der kriminellen Subkultur ein Zuhause fände, was die Chance von dem Mittel wegzukommen zusätzlich verringern würde ...


Wenn Heroin legal aber Alkohol verboten wäre, würden wir in einigen Jahrzehnten wieder vor der Frage sitzen, was wir um Gotteswillen falsch gemacht haben, dass wir so viele hoffnungsvolle, junge Leben auf dem Gewissen haben.

Lieber Leser, liebe Leserin,
als kleine Gegenleistung für das, was Du eben lesen musstest, bitte ich Dich um einen kurzen, spontanen Kommentar, der unter uns bleibt, aber sicher Einfluss hat.

Na los - zwei Zeilen!











Das Dilemma mit "rechts" und "links"

Merkwürdig: ich war immer ein bekennender Linker.

Ich war gegen Leute, die andere Menschen diskriminieren wegen ihres Geschlechts, ihrer Hautfarbe, ihrer Religion oder politischen Überzeugung. Ich wollte dem Krieg und der Gewalt gegen Mensch und Natur auf der ganzen Welt Einhalt gebieten. Vorallem anderen war ich gegen den Faschismus.

Spätestens heute muss ich erkennen: Wenn ich das wirklich will - dann bin ich wohl ein Rechter.

Wieso ich mich von den "Linken" ausgeschlossen fühle und woher meine Abneigung gegen die allgemein anerkannten "linken" Wahrheiten kommt, möchte ich im Folgenden darlegen.
Für alle, die sich von solchen TÜV geprüften Erzlinken wie Kampf-Emanzen, Asyl-für-Saddam-Bewegten oder Mit-Gandhi-hätten-wir-gegen-Hitler-gewonnen-Träumern auch gesinnungsbevormundet fühlen, mag dieses Pamphlet indes manchmal lustig sein ...

Bloßstellen will ich Leute, die sich "links" nennen und dabei andere Menschen diskriminieren: wegen ihres männlichen Geschlechts, wegen ihrer weißen Hautfarbe, wegen ihres christlichen Glaubens, wegen ihrer anderen Lebenskonzepte (zB. weil sie gerne in einer kapitalistischen Demokratie leben möchten), oder weil sie Kriege gegen Menschenschlächter wie Saddam Hussein befürworten.

Weil ich die Methoden dieser Leute zur Erreichung meiner oben aufgeführten Ziele als kontraproduktiv empfinde, schreibe ich "Linke" auch in Anführungsstrichen.
Zum leichteren Verständnis habe ich die Irrglauben grau hinterlegt.

1. Geschlechterdiskriminierung:
Als Gründe für die Geschlechterunterschiede und die Bösartigkeit von Männern wird vieles angegeben: eine besondere Hirnanatomie, unterschiedliche Körperkraft, Sozialisation im Patriarchat - es läuft jedenfalls in "linken" Diskussionen regelmäßig auf Folgendes hinaus:
"Männer tendieren dazu, Frauen nicht ernst zu nehmen, ja nicht einmal zuzuhören. Sie sehen Frauen gemeinhin (auch wenn sie es oft vor sich selbst verleugnen) als minderwertig an, so dass das Resultat einer jeden Gesellschaft, in der Männer etwas mitzureden haben, zwangsläufig die Diskriminierung und Unterdrückung der Frauen sein muss."
Man möchte denken solche Aussagen entsprängen völlig kranken Phantasien, aber nein - unter "Linken" sind solche Gedankenmodelle Pop. Solche und ähnliche Geschlechterdiskriminierungen gegen Männer (genau wie die gegen Frauen) sind genau das, wogegen ich dachte, als Linker kämpfen zu müssen.
Jetzt habe ich erfahren: Wer gegen die Diskriminierung und für die Emanzipation der Männer kämpft, ist selber einer - also ein Rechter.

2. Rassendiskriminierung:
In Afrika ist alles gut. "Der Schwarze" ist von Natur aus ein netter Bursche, der lächelt und tanzt, wenn er eine Trommel hört, ein Sonnenschein der Menschheit.
Dass es in Afrika Krieg und Gewalt gibt, ist eine Folge des Kolonialismus, der die Menschen vertrieben, verdorben, entwurzelt und verstört hat, aber wenn die fiesen, weißen Kapitalisten das heilige Kraut Ganja nicht mit aller Gewalt kriminalisieren würden, wäre auch hier bald wieder Frieden und guter Sex - "respect!".

"Der Weiße" (wieso sagen wir's nicht gleich: Der Arier) dagegen ist ein Finsterling, der sein eigenes inneres Unglück über den ganzen Planeten ausseuchen muss, weil ihm im Laufe seiner kulturellen Entwicklung die Musikalität, die Fähigkeit zu spontaner Freude und sinnlichem Genuß abhanden gekommen ist - und der nun gezwungen ist, seine kranke Libido mit Geld und Macht auszutoben. Ich sage nur: "Dollarimperialismus!".

Wenn ich mich gegen diese Form von Rassendiskriminierung wende (oben angeführte Formulierungen hätten unter Austausch der Objekte auch von Goebbels stammen können) und die rastafari-betenden 16 jährigen bitte, sich doch mal mit der Geschichte Afrikas bevor die Europäer kamen (insbesondere der afrikanischen Sklavenhaltung) zu befassen...
und wenn ich darauf hinweise, dass die humanistische Tradition, die die Menschenrechte und modernen demokratische Verfassungen erst erfunden hat aus Europa stammt, dann bin ich - wir ahnen es schon - ein überheblicher, rechter, weißer Rassist, der Jah nicht verstanden hat.


3. Religiöse Hetze:
[Anmerkung: Ich will mich an dieser Stelle nicht über die Religion, als unbedingten Bestandteil jeder sozialen Gemeinschaft, ihre vielfältigen intra - und inter-psychischen Aufgaben und ihre unterschiedlichsten Gestalten in der Wissenschaft, in Freundeskreisen, usw. auslassen, sondern es dabei belassen, darauf hinzuweisen, dass Menschen aufgrund der anatomischen Bauweise ihrer kognitiven Struktur per se religiös sind, vielleicht gerade dann, wenn sie versuchen "wissenschaftlich" zu sein. Aber zurück zum Pamphlet:]

Das Christentum: "eine patriarchalische Religion, gegründet vom Sohn eines Schreiners aus Nazareth, wurde von finsteren Oligarchen im römischen Reich über Nacht zum Machtinstrument über ein von fröhlichen Heiden und Kräuterhexen bewohntes Europa gestülpt.
Wer der kirchlichen Obrigkeit nicht durch Verzicht auf jedes Krümelchen eigenes Nachdenken Tribut zollte, der war schon auf bestem Weg in die Folterkammern der Inquisition und zum Scheiterhaufen".
(was leider sogar ziemlich hinkommt. Übrigens braucht's bei den allermeisten Menschen garnicht so einen äußeren Druck: Ein Lautsprecher und eine sich solidarisierende Menge bewirkt bei den meisten ebenfalls einen Verzicht auf eigenes Denken).
"Heute ist die christliche Kirche in der 'westlichen Welt' ein Altherrenverein, der versucht wenigstens bei Verhütung und Schwangerschaftsabbruch wieder in's Mittelalter zurückzukehren.
In den Entwicklungsländern versucht die Christenkirche weiterhin mit Keksen und Milchpulver den Leuten die Schrecken der Hölle einzuimpfen."

Die anderen Religionen sind grundanders, besonders Buddha!!! Shiva ist auch voll cool, wegen Goa und der einzige Wackelkandidat v.wg. pol. correctness ist Herr Allah, weil der ja auch die Frauen unterdrückt - aber irgendeine zum hippen Islam konvertierte Linke wird uns bestimmt gerne bestätigen,dass wir (die dummen Europäer) Allah bloß nie richtig verstanden haben."

Ich muss zugeben, dass es mir einen Heidenspaß macht die Leute an ihrer Religion zu kitzeln, aber wenn ich sage, dass der Islam, genau wie einst das Christentum, wegen dem selben Denkfehler (die Wahrheit ist ewig nicht dynamisch), zu nichts anderem führen kann als zu Intoleranz, Hegemonieansprüchen, Fanatismus, Gewalt und Unterdrückung jeder Kritik und Intelligenz, dann bin ich - natürlich - ein rechter Islamhasser - und Multikulti-inkompatibel.

4. Freie politische Meinungsäußerung:
Die Linken sind gut, die Linken sind gut, die Linken sind extragut, hehooo, hehooo!!! Es ist so schön am 1. Mai hinter einem Lautsprecherwagen herzulaufen ... ob denen das da drüben auf der NPD Demo genauso geht?

Ein Außerirdischer würde zwangsläufig zu dem Ergebnis kommen, dass es sich um genau die gleiche Klientel handelt: Lautis, Fahnen, Einer brüllt vor - der Rest macht den Chor.
Nur Frieden scheint eine Sache zu sein, die den Demonstranten am Olympiastadion wichtiger ist als denen in der Oranienstraße.
Würde ich mit meinen politischen Idealen als Außerirdischer nach Berlin kommen, dann würde ich mich der "Tanz gegen den Krawall" Initiative der O-Straßen Anwohner (für linksautonome Erdlinge: der systemkonformen Spießer) verpflichtet fühlen.
Die Bemühungen der Polizeiführung um ihre Deeskalationsstrategie fände meine Hochachtung.
Aber die Babyhirne, die ohne das geringste Verständnis von Systemzusammenhängen (und ohne dass ihnen das auch nur wichtig wäre) "Krieg spielen" wollen, hätten meine ganze Verachtung.
Wie man sieht: Ich bin rechts.

5. Krieg und Frieden:
Man soll's ja gar nicht glauben, aber diese beiden Formen sozialen Umgangs, sind für mich miteinander verwoben.
Aber wenden wir uns "linken" Überzeugungen zu:
Nach dem Motto "Der Mensch is guat, aber die Leit san an G'sindl" wissen wir von etlichen Sowi-Studentinnen und Kindergärtnerinnen, dass ein Kind keinerlei soziale Kompetenzen erlernen muss, um sich in seinem sozialen Umfeld produktiv und kooperativ einzubringen. Es ist vielmehr ab Geburt "gut" - also "links", das sieht man schon an der Vorliebe für bunte Fingerfarbe.
Wäre die Welt nicht so böse, wegen der Kapitalisten, dann wären alle Menschen Kinder und den ganzen Tag nackig, voller Fingerfarbe.
Die Kapitalisten (Das sind CDU Wähler mit Schlips, Anzug und Mercedes!) sind auch diejenigen, die immer Krieg führen wollen. Meistens um Öl, aber auch um Macht, oder wegen der Rüstungsindustrie. Wenn diese bösen Leute sich also anschicken mal wieder die armen Kinder zu beschießen, müssen wir alle auch ganz böse werden und denen sagen, dass wir das nicht gut finden und dass sie keine Überflugrechte kriegen.
Vorallem aber eins: Gewalt darf nie mit Gewalt beantwortet werden.

Wenn ich sage, dass Gewaltlosigkeit zwar ein vielproklamiertes, aber bisher in jedem Anwendungsfall gegen Gewalttäter (also nicht gegen die britischen Wähler zur Zeit Gandhis) als unwirksam erwiesenes Mittel zur Herstellung von Gewaltlosigkeit war,
... wenn ich darauf verweise, dass Frieden etwas ist, dass bisher in der Menschheitsgeschichte immer nur solange existierte, wie Menschen mit enormen (erlernten) sozialen Kompetenzen zusammenlebten und/oder ein gewaltiges Drohpotential jeden Ausbruch von Gewalt sofort mit unverhältnismäßig viel mehr Gegengewalt beantwortet hätte,
... wenn ich sage, dass Regime wie das von Saddam Hussein eine Gefahr für die Menschheit (nicht nur des Teiles, der im Irak lebt) darstellen und sofort von beiden Seiten, der der sozialen Kompetenzen und der der Gewalt bekämpft werden müssen,
... wenn ich also derartiges proklamiere bin ich - wen wundert es noch - ein rechter Kriegstreiber, dem man die uniforme PACE-Flagge mal ordentlich überbraten sollte.

Fazit:
Auch wenn ich meine Ziele immer noch als "links" ansehe, meine Wege sind von offiziellen linken Stellen als "rechts" verschrieen, während ich die mir augenscheinlichen Ziele von oben beschriebenen "Linken" wie: Herstellen des Matriarchats, Verächtlichmachung und Versündenbockung der "Weißen", Arroganz gegen Christen, das Nichtdulden, Zerstören und Verächtlichmachen anderer politischer Überzeugungen und Lebensführungen, sowie die internationale Perpetuierung von Gewalt und Faschismus für mich als "rechts" einstufe.

So bin ich mit den "Linken" quitt und wünsche ihnen nur eine paradiesische Insel zum nackig rumlaufen.
Da könnte man dann Kinder ohne Druck und soziale Kompetenzen aufziehen und mal sehen, wie toll friedlich die sind.
Und wenn ein Junge gegen ein Mädchen aufmuckt: Schwanz ab!
Und wenn einer anders leben will: immer feste Steine drauf schmeißen und dann anzünden.
Und wenn man schließlich einen kleinen Saddam in den Wäldern hat, probieren wir's mit Gewaltlosigkeit ...
und wenn die netten Aftrikaner mit ihren Macheten kommen und der Frieden zwischen den Fingern zerrint, wenn Raubmörder, Warlords und Faschisten übers Land ziehen, wenn unsere Kinder uns steinigen, wenn unser letztes Stündlein geschlagen hat, dann wissen wir: Ganja + Rastafari sind mit uns: "Pace!" "respect!"

Zu diesen "Linken" will ich ganz sicher nicht gehören ...

  • Ich glaube daran, dass "Frauen" und "Männer" das Produkt einer gegenseitigen Sozialisation sind.

  • Ich glaube, dass wir uns aufgrund unseres sensorischen Apparats vielmehr als uns bewust ist auf Äußerlichkeiten wie zB. Hautfarbe achten und als eines der ersten Dinge bei einer Neubegegnung abchecken, ob unser Gegenüber der eigenen -wie auch immer definierten- Gruppe angehört oder nicht.
    Diesen Mechanismus kann man konstruktiv nutzen, wenn man um ihn weiß, aber nicht, wenn man ihn leugnet.

  • Ich glaube, dass unser Weltbild (und damit die politische Präferenz) bedürfnisgesteuert und deshalb unterschiedlich ist.
    Wenn man das akzeptiert, kann man auf die Bedürfnisse seines Gegenübers eingehen, wenn er anders denkt als man selbst - anstatt ihn abzulehnen und dadurch eine Chance verpassen für das eigene inneres Wachstum.

  • Ich glaube, dass Frieden ein Zustand ist, der unter Aufbietung aller Fähigkeiten (Umsicht, Klugheit, Vorausschau, Mut, Kampfbereitschaft, Lebenserfahrung, Taktik und Einfühlungsvermögen) erarbeitet, zur Not erkämpft werden kann.
    Frieden ist nie im Leben ein Urzustand, den man durch Bösartigkeit à la Adam und Eva im Paradies verlieren kann.
    Frieden ist wie eine Liebesbeziehung: eine ständige dankbare Arbeit, die verwelkt, sobald man sie als Besitz verkennt, und die von tödlichen Bedrohungen heimgesucht werden kann, gegen die man sich nur gemeinsam, unter dem Einsatz von Gewandheit, Stärke und Schlagkraft (vielleicht sogar des eigenen Lebens) wehren kann.

Wenn Du meine Ideale verstehst, akzeptierst und offen mit mir reden magst, ist es mir völlig egal, ob Du Dir Deinen Button links oder rechts an den Pulli piekst ...

©reated by Alex, 4.5.03

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