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Philosophie

Themenverzeichnis:









Über die Liebe

Erste Überarbeitung
Meinen ersten Artikel zu dem Thema hatte ich 2001 geschrieben.
Dabei ging es mir vorallem darum, meine Wut zu formulieren.

Meine Wut war aus der Art und Weise entstanden, wie meine damalige Freundin unsere Trennung und generalisierend "reifes" bzw. "unreifes" Miteinander-in-Beziehung-Stehen hingestellt hatte.

Heute, drei Jahre später, sehe ich meine damaligen Aussagen bestätigt, allerdings hat sich mein Bild mittlerweile etwas differenziert.

Es scheint an der Zeit, das Thema noch einmal anzugehen und noch treffender zu formulieren.

Im Grunde geht es in diesem Artikel um die Erörterung von zwei Standpunkten:

1. Standpunkt:
"Das Etikett 'Liebe' gebührt nur solchen Beziehungen, in denen zwei emotional voneinander unabhängige Menschen ihren jeweiligen inneren Reichtum dazu benutzen, sich damit gegenseitig zu beschenken und zu fördern.

Zur Abgrenzung: Wenn die Partner die Beziehung aufsuchen, um ihre jeweiligen Defizite (z.B. im Selbstbewusstsein, Prestige, sexuelle Bedürftigkeit) zu kompensieren, dann handelt es sich nicht um eine Liebes-, sondern um eine Abhängigkeitsbeziehung, um ein 'Geschäft', in dem man Gegenleistungen für die gegebenen 'Liebesdienste' einfordert.

Diese unreife Form des Partnerkonsums ist dem Verhalten einer wahrhaft liebesfähigen Person diametral entgegengesetzt."



2. Standpunkt:
"Menschen sind emotional abhängige Lebewesen.

Wie jedes andere Lebewesen sind sie ausschließlich dann zu einem Verhalten motiviert, wenn sie sich etwas für sich selbst davon versprechen.

Es gibt natürlich auch Verhalten, zu dem man durch innere Gewalt (die Pflicht, die Moral, die Religion) oder äußere Gewalt (das Gesetz, die Gesellschaft, die Konvention) gezwungen wird, ohne dass man sich von sich aus so verhalten wollen würde (z.B. bei vielen Soldaten, die in einen Krieg ziehen, sicher auch bei vielen Frauen in islamischen Gesellschaften, Vätern in westlichen Gesellschaften, ...).

Aus rein pragmatischen Gründen, versuchen wir, die Schnittmenge dieser beiden Verhaltensweisen immer möglichst groß zu halten. Also mit den Dingen, die wir gerne tun gleichzeitig unsere gesellschaftlichen Pflichten zu erfüllen bzw. aus den Dingen, die wir gezwungen sind zu tun auch einen persönlichen Nutzen zu ziehen.

Aber 'Liebe' kann nur etwas freiwilliges sein, zu dem man motiviert ist - also etwas wovon man sich einen Vorteil verspricht - um es provokativ zu sagen 'ein soziales Geschäft' - und wir brauchen sie dringend, weil wir nun mal alle extrem abhängig von sozialer Bestätigung sind. Wobei keine Form sozialer Bestätigung sich messen kann, mit der exklusiven Entscheidung eines anderen Menschn, genau uns als Partner zu wählen.

Wir gehen ein hohes Risiko ein, wenn wir uns auf einen einzigen Partner als Quelle beschränken, haben davon allerdings den Vorteil, dass die Qualität einer exklusiven Liebesbeziehung derjenigen von promiskuitiven weit überlegen ist.

Auf den Punkt gebracht: Wenn die Beziehungspartner nicht voneinander abhängig sind, kann es sich nicht um eine Liebesbeziehung handeln."


Wer meine Hassliebe zu Erich Fromms 'Kunst des Liebens' kennt, weiß, dass ich die Schnarchheiligkeit der ersten Aussage für pure Sandalenschwinger-Selbstverarsche halte. Der zweite Standpunkt ist also meiner.

Ich möchte noch hinzufügen, dass ich mir vorstellen kann, dass Menschen auch ohne körperliche Zärtlichkeiten in einer Liebesbeziehung stehen können. Allerdings kann ich mir das für mich selbst nicht vorstellen.

Ich glaube nicht an die Trennung von Leib und Seele (im Gegenteil, je mehr ich mich in die großartige Symphonie der Zellen hineindenke, umso eindeutiger scheint mir, dass der Geist nur die Gesangsstimme dieser unbeschreiblichen Musik von abermilliarden biochemischen Wunderkindern ist. Die Musik aber nenne ich Seele.).

Ich kann daher nur mitleidig lächeln über die Abwertung des Körperlichen, zugunsten der 'wahren' und 'inneren' Werte.
Den Körper zu lieben hat nichts Oberflächliches. Oberflächlich sind höchstens Kategorien, nach denen man Körper als begehrenswert einstuft. Nach körperlicher Liebe zu streben bedeutet das Streben nach unmittelbarster Berührung der Seelen.

Die Leib/Seele-Symphonien zweier Menschen in einem (ev. sexuellen) Tanz zu vereinen will allerdings gelernt sein. Den Text der Gesangsstimme zu ändern hat schließlich keinen Einfluss auf das musikalische Geschick von Dirigent und Orchester (und wer ein Buch über Eiskunstlauf gelesen hat, kann deshalb nicht Eiskunstlaufen - implizites Wissen verlangt Übung). Sex ist etwas elementares im Dasein einer Körperseele.

Um in der Metapher zu bleiben: es gibt gute Gründe, sich auf einen Tanzpartner zu beschränken - das steigert nämlich die Qualität dieser Beziehung, genauso, wie es gute Gründe gibt mit vielen Partnern zu tanzen - das gibt einen Überblick und festigt die Entscheidung für jemand Bestimmten.

Eine Liebesbeziehung möchte ich also mit einer Sexualpartnerin haben.
Ich möchte zugunsten der Qualität, dass diese sexuelle Beziehung exklusiv ist.
Ich möchte, dass die Beziehung mit der Außenwelt verbunden ist, um sich zu nähren und zu wachsen.
Mir ist bewusst, dass ich mich mit einer solchen Entscheidung in eine Abhängigkeit begebe.
Mir ist klar, dass dieser Tanz ein Höchstmaß an Verantwortung erfordert.
Aber ich weiß, dass dieses 'Geschäft' Spaß macht und sich mehr als alles andere 'auszahlt'.
Ich habe Lust Deinen Körper und Dein ganzes Wesen zu konsumieren und mich Dir preiszugeben, mit Leib und Seele, Haut und Haaren.

Was soll ich mit 'Selbstlosigkeit'? Sollten sich irgendwann mal irgendwo selbstlose Lebewesen entwickeln, habe ich vollstes Vertrauen, dass Gottes mächtiger Plan, die Evolution oder irgendeine andere freundliche Instanz sie diskret entsorgen wird, so dass sie mich nicht in meinen abhängigen sexuellen Beziehungen aus dem Tanz bringen.

Ich danke Erich Fromm und Heidrun Knigge für ihre weltfremde Heiligkeit, die mich zu diesem Beitrag angestachelt hat.




Liebe ist ...

 ... sich im Gewitter zu küssen
Liebe ist ...

wenn er sich in der Tür nochmal umdreht
wenn sie ihm Blumen schenkt
wenn er ihr den Haushalt abnimmt
wenn sie ihm den Nacken krault
wenn er ihr den Bademantel vorwärmt
wenn sie ihm sein Lieblingsessen kocht
wenn er ihr ein Gedicht aufsagt ...
www.alexberlin.de April 2005
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Nachtrag / Erweiterung:
Liebe Milena, ich danke Dir sehr für Deine scharfsinnige Kritik und Deine kluge, freundliche Art.
Damit auch andere von unseren Gesprächen profitieren (und vielleicht auch selber mal was dazu sagen - Ihr kennt ja hoffentlich die feedfeedbackback Schaltfläche) füge ich hier noch eine Erweiterung an:

So wie es Erich Fromm in "Die Kunst des Liebens" beschreibt und auch so wie es sich in meinem Text anhört, könnte man meinen, es würden hier zwei unterschiedliche Konzepte gegeneinander gesetzt:

Einerseits das Konzept der leidenschaftlichen Abhängigkeitsliebe und andererseits das der selbstlosen Spiritualität á Deux. Es gibt Pro- und Kontraargumente für beide Beziehungsformen, wobei schnell klar wird, dass die Kontraargumente umso mehr zum Tragen kommen, je extremer eine der beiden Formen gelebt wird.

Das Verwirrende in den ganz praktischen, alltäglichen Beziehungsformen ist meiner Ansicht nach allerdings, dass fast immer mehrere Konzepte gleichzeitig beobachtet werden können. (Dies ist dann häufig Anlass für Beziehungsstreits, in denen jeder der Partner auf einem bestimmten Modell beharrt).

Im Gegensatz zu diesem dichotomen Modell, stelle ich mir die jeweiligen Extremformen der beiden Konzepte wie Pole einer Bandbreite vor.

Abhängigkeitsspektrum

Wobei ich denke, dass Menschen in einer Beziehung sowohl eine gewisse Balance zwischen den Polen, als auch eine Ausgewogenheit mit dem Partner zugute kommt.

Ich möchte Beziehungen nicht auf diese Bandbreite reduzieren, ich bin mir sicher, dass man noch etliche Dimensionen einführen könnte.
Dennoch hoffe ich, hiermit meine Vorstellungen präzisiert und anschaulicher gemacht zu haben. Vielleicht auch zu einer Anregung für weitere Gedankenaustäusche...


www.alexberlin.de Juni 2005





Lieben als Verb

Liebe kommt von lieben - und lieben ist ein Verb.
Bei einem leckeren Essen entwickle ich ein angenehmes Gefühl.
Dieses Gefühl entwickle ich während der Tätigkeit des Essens.
Essen kommt von essen - und essen ist ein Verb.
Lieben ist kein Gefühl, sondern eine Tätigkeit bei der sich ein Gefühl entwickelt.









Wer ist Gott?

Also für mich ist Gott ENTWEDER:
Ein oller Patriarch von den Juden, so alt, dass von ihm nur noch Legenden erzählt werden, noch oller als olle Noah und Abraham. Aber im Prinzip genauso drauf wie die ganzen ollen Ziegenkönige und Stammeshäuptlinge von den ollen Juden: voll autoritär, eifersüchtig auf jeden Konkurrenten, mal rachsüchtig mal gütig, mal strafend mal vergebend, je nachdem wie so der Kaffee war ... eben ein voll oller Patriarch, dem seine Kamele + Ziegen + Schafe eben wir sind.

ODER:

Ein Bewusstsein, das übergreifend ist. In dem jedes einzelne Bewustsein nur eine Zelle des Gesamtorganismus ist. Ein morphogenetisches Feld, das auf diesem Planeten haftet und sich in (für menschliche Maßstäbe) unendlicher Langsamkeit, mit (für menschliches Vorstellungsvermögen) unendlicher Intelligenz entwickelt. Das sich von Licht und Zeit ernährt und in dessen Stoffwechselvorgängen unser Leben und Sterben nur ein Bruchteil ist.

ODER:

Eine psychologische Rückkopplung unseres Denkapparates, die ich zwar so einfach nicht erklären kann - aber es scheint ja so zu sein, dass sich-in-den-Zustand-des-Glaubens-zu-begeben eine geradezu notwendige kognitive Funktion des menschlichen d.h. selbstreflektierten Bewustseins ist. Wobei man an so ziemlich alles glauben kann, Hauptsache es deckt die nicht-erklärbaren Wirkungsmechanismen, denen wir uns ausgeliefert fühlen ab, so dass wir sie als eine Art Außenüber-Ich in uns aufnehmen und als etwas Bekanntes, vielleicht hoffentlich sogar Befreundetes abhaken können. Lustigerweise glauben heutzutage viele Westeuropäer an die Physik (was kaum ein großer Physiker je getan hat).

INSGESAMT:

Gott ist ein definitionsabhängiges Abstraktum - ob oder woran Du glaubst, es ist alles zulässig und gleichgut.
Es kommt einfach darauf an, was Du daraus machst.









Der Sinn des Lebens

Einleitung: Mein Pantheismus

Ohne groß in's Detail zu gehen funktioniert mein Pantheismus folgendermassen:

Die gesamte Biomasse unseres Planeten bildet einen gemeinsamen Meta-Organismus, der sich in einer so ungeheuren Komlexität vor sich hinentwickelt, dass wir kleinen Menschenzellen erst garnicht versuchen brauchen unsere beschränkte Modellwelt (egal wie intelligent sie modelliert ist) mit dem Kosmos, der diesem Lebewesen innewohnt vergleichen zu wollen - wir sind zu dumm dafür und das ist noch ausgesprochen gelinde ausgedrückt.

Uns über die Natur erheben zu wollen ist ein so jämmerliches, lächerliches, dämliches, ja erbärmliches Vorhaben, dass man nicht mehr weiß, ob man darüber lachen oder weinen soll.

Wenn dieses Unbegreifliche, von dem wir ein Teil sind, einen Namen oder Titel bekommen sollte, dann wohl am ehesten "Das Allwissende", "Das Allumfassende", "Das Letztendliche" oder sowas in der Art.

Ob wir Menschen heute die Erdoberfläche von allen größeren Landbewohnern leerbomben, spielt in 600 Millionen Jahren keine große Geige mehr, die Entwicklung unseres "Ursprungs" nimmt dann eben einen anderen Weg, sterben wird "Es" deshalb nicht.

In einer Millionen Jahren schon gibt es garantiert keine Menschen mehr: Entweder wir haben uns weiter entwickelt, zu etwas Höherem und hoffentlich dem gesamten Organismus Nützlicherem - dann gibt es Nachfahren der Menschen, so wie wir Nachfahren irgendwelcher mittlerweile ausgestorbener Echsen sind - oder aber wir kriegen das nicht hin und verwehen mit unserer ganzen tollen Kultur, wie ein Verdauungsfurz im Küstenwind.

Ich denke wir sollten uns weiterentwickeln.

1. Was ist ein Sinn?

Definition:
Ein Sinn ist ein Ziel, auf das ein zeitlicher Vorgang hin abgestimmt ist. Ein Ziel liegt immer in der Zukunft, egal ob mein Sinn mich noch diese fünf Minuten, übermorgen, zu Weihnachten, zur Rente oder nach dem Tode ereilen soll.
Zukünftiges ist nicht existent, sondern potentiell und wird von jedem Individuum anhand seiner bisherigen Erfahrungen (statistisch) vorweggenommen.
Zukünftiges ist also, solange es zukünftig ist, das Produkt individueller kognitiver Prozesse, die durch Verhalten mehr oder weniger in Wirklichkeiten verwandelt werden können.
Es ist sicher hart, aber das bedeutet folgendes:
Es gibt Sinn, ja, aber nur in unseren Köpfen - da draußen in dem Chaos, in das unsere kortikalen Rückkopplungen mit Hilfe der Sinnesorgane Strukturen bohren - da ist kein Sinn, schon garnicht weil doch bitte, bitte alles aber auch alles so funktionieren soll wie wir selber.

2. Wir bauen einen Sinn

Wir möchten einen Sinn, weil wir garnicht anders können als uns einen zu bauen - unser Gehirn ist schließlich perfekt dafür geignet und funktioniert so:
Erst kommt ein Reiz - zB. die mittlere Stimmulation einer Nervenzelle auf der Netzhaut, der wird mit anderen Reizen zB. denen der umgebenen Zellen "verrechnet" und bekommt Relevanz, wenn er in eine simple Schablone passt.
Reize die ahduekcnbvhgsztak nicht in eine Schablone passen werden einfach herausgefiltert, dadurch ergeben sich Muster zB Gesichter J.
Schließlich werden die gerade einlaufenden Reize mit rückläufigen Reizen abgeglichen, so dass, wie bei einem Film, ständig neue, leicht veränderte Bilder hintereinandergelegt ein Zeitkontinuum repräsentieren.
Die dadurch entstehenden Wahrnehmungssequenzen, werden wiederum gegen abgespeicherte ähnliche Sequenzschablonen gemittelt und so bestimmten Vorgangs-Prototypen zugeordnet.

Wir befinden uns also bereits auf der Ebene der BEDEUTUNG, die wir einer Sequenzfolge zuteilen, zB "Das ist die mit der großen Brust, die sich über mich beugt und gleich gibt's das klebrige, warme Zeug zu trinken ....fein!"

Jedesmal, wenn Erwartung und Ergebniss nicht genau passen, feilen wir wieder ein bisschen an unseren Erwartungsschablonen, verschiebt sich unser zugehöriger Protoyp im Merkmalsraum.

Der Grund, warum es Lebewesen gibt, die soetwas können liegt darin, dass es diesen Lebewesen in der Vergangenheit geholfen hat, in Interaktion mit fremden und der eigenen Spezies zu überleben.

Kein Wunder, dass wir das deshalb ausgesprochen wichtig finden.

Und immerzu sind wir bestrebt, genau das zu tun: Sinnesreize in Muster zusammenfassen, zeitliche Änderungen drüberrechnen, mit unserem Fundus abgleichen, statistische Wahrscheinlichkeit für Zukünftiges mitteln, Bedeutungsetikett draufkleben...

Da man das ganze vorwärts wie rückwärts betreiben kann, sind wir bei jedem noch so zufälligen oder hochkomplexen Vorgang sofort mit einer Kausalinterpretation oder einer Hypothese am Start.

Wir vergleichen den Sternenhimmel mit einem sich drehenden Eimer, von innen gesehen, einfach weil wir den noch von der Sauftour letzte Nacht in Erinnerung haben. Wir assoziieren. Wir benutzen Modelle.

Wir basteln einen Sinn.

3. Standardmodelle

Wie bereits erwähnt orientieren wir uns immer an etwas, was wir schon kennen.
Ich persönlich bin der Asicht, dass die Art und Weise, wie wir in der Kindheit spielen, die Art und Weise prägt, mit der wir den Rest unseres Lebens mit Sinn füllen (falls nichts dazwischen kommt).
Wenn wir begeistert Sport getrieben haben, sehen wir das Leben vielleicht als eine Art Zehnkampf mit einem ausgeklügelten Punktesystem. Wer am Schluß die meisten Punkte hat, kriegt auf den Rücken geklopft.
Oder eins von diesen Computer- oder Fantasy-Spielen: Man wird mit jeder Ebene, in die man aufsteigt mit schwierigeren Aufgaben konfrontiert. Wer am weitesten kommt ist am Besten - vielleicht gibt's auch irgendwo eine Schatzkammer ganz dort oben.
Oder es geht um's Sammeln: Man muss alles mitnehmen, was am Weg liegt. Aufpieken und in den großen Sack: jede Party, jeden Partner, jede Reise, jede Bitterniss, jeden Luxus, jedes Abenteuer, der dickste Sack macht das Rennen.
Ich zum Beispiel habe ein recht kurioses Spiel: Mein Leben ist ein Studium, während dem ich eine Diplomarbeit anfertige. Ich hege die Hoffnung dieses Werk irgendwann in einen übergabefähigen Zustand zu bringen, am besten irgendwas Großartiges mitzuteilen zu haben.

Da wir mit unserem Gehirn durchaus in der Lage sind, uns Zeitspannen von 80 Jahren und mehr vorzustellen, suchen wir auch hier die Bedeutung und daraus sich ableitende Handlungskonzepte.

So ist unser Gehirn nun einmal, drum gib Dir ein wenig Mühe und biete ihm etwas, wo's was zu tun hat. Stell ihm ein Modell hin, an dem es sich ein paar Jahrzehnte abrackern kann.

4. Etwas mehr Allgemeines

Die eine oder andere findet das eben gesagte vielleicht ein wenig unbefriedigend. Demaskierte Selbstverarsche ist auch nicht jedermanns Steckenpferd.
Wenden wir uns also zu etwas, das größer ist als wir. Lasst uns dem Meta-Wesen dienen, von dem wir winzige, kurzlebige, recht spezialisierte Zellen sind.

Aber wie?
Naja, was können wir denn: wahrnehmen, strukturieren, interpretieren, planen, organisieren.

Dann ist das wohl unsere Aufgabe!
(Ist doch besser als nur fressen und kacken wie die Regenwürmer).

Wir können ein Teil des Gehirns der Natur werden und das Leben verbreiten, vielleicht sogar eines Tages über die Grenzen unseres Planeten hinaus, dann wären wir wie Spermien, die den Code transportieren, der entfernte Öden in lebende Metas verwandelt.

Und wer weiß, wozu die noch gut sind .....

©reated by Alex 15.3.03 3:27









Wahrheit und Wirklichkeit

Es scheint mir als wäre eine Realität da draußen, die sich nicht kümmert um die "Wahrheit" einzelner kleiner Menschen oder Gruppen. Und doch als bestehe sie aus der Gesamtheit aller "Wahrheiten" des Universums, jedes Staubkorns und Spiralnebels. Insofern wäre sie unmöglich starr und greifbar. Sie wäre vielmehr dynamisch, lebendig und in stetem Wandel.

Wenn das stimmt, gibt es keine gesicherte wissenschaftliche Erkenntnis, sondern nur mehr oder weniger mißglückte Versuche ein Modell zu entwerfen, das sich dem momentanen Zustand der Wirklichkeit annähert.

Ich halte es deshalb für notwendig zu unterscheiden, zwischen dem was der einzelne wahrnimmt und für "wahr" befindet einerseits und dem was als Wirkmechanismus im äußeren wirkt andererseits.
Das erste nenne ich Wahrheit, das zweite Wirklichkeit.
Die Wirklichkeit wirkt ein Gewebe aus vielen Wahrheiten und innerhalb dieser Wirklichkeit nehmen wir uns wahr.

Ein Beispiel für die Verflechtung von Wahrheiten und Wirklichkeit ist die Art und Weise, wie unsere Erwartungen die Geschehnisse beeinflussen, die dann ganz konkret ihre Wirkung entfalten.

Ein Beispiel für den Unterschied ist, dass Wahrheit und Wirklichkeit nur so lange konform gehen, bis die eigene Wahrheit von einer anderen eingeschränkt wird.
So könnten wir nicht durch eine Wand laufen, selbst wenn diese Fähigkeit für uns noch so "wahr" wäre, solange der Wand eine andere "Wahrheit" immanent ist.









Sienciokratie

Sienciokratie ist ein Wort, dass ich mir ausgedacht habe, um eine Staatsform zu bezeichnen, bei der die Macht nach Bildung und Kompetenz verteilt ist.
Die Bezeichnung für den sienciokratisch verwalteten Staat könnte Concordia heißen.

Warum will ich eigentlich weg von Demokratie und Republik?

Wir schließen aus der Geschichte, dass Monarchien, Oligarchien, Tyraneien und Diktaturen als Herrschaftssysteme funktionieren, oftmals jedoch nur den Herrschenden persönliche Entfaltung ermöglichen.

Persönliche Entfaltung scheint aber ein Grundbedürfnis zu sein, ebenso wie Unterwerfung unter ein großes Ganzes, Bindung, Autonomie, Freiraum und Abhängigkeit.

Wer behauptet, alle Menschen wollten unabhängig, selbstständig und willensfrei sein, denkt genauso einseitig, wie die, die behaupten, wir wollten alle eingebunden in Familie und Tradition ein beschauliches Leben in Sicherheit führen - von Leuten, die meinen, man wolle im Grunde seines Herzens einem Führer oder einer irgendwie definierten Gesellschaftsklasse dienen gar nicht zu sprechen ...

Wir brauchen Balance zwischen Verantwortung und der Möglichkeit auszuprobieren und Fehler zu machen, zwischen Sicherheit und Veränderbarkeit, zwischen Lustgewinn und Verzichtenkönnen, zwischen Glück und Unglück, zwischen Hineinschlingen und Verdauen.

Wenn ein Staat seinen Bewohnern das geben soll, was sie brauchen, muss er fein balancieren können und: er muss wissen, was seine Bewohner wirklich brauchen.

Das Letztgesagte ist sicherlich schwierig. Marxismus, Leninismus, Sozialismus, wie auch die Anarchie haben häufig behauptet, die Menschen wüßten nicht, was sie "wirklich" wollen - so wie Kinder - und man müßte es ihnen erst einmal beibringen.

Menschen beginnen als Kinder und entwickeln sich (im günstigsten Falle) auf dieser Basis zu mehr oder weniger sozial kompetenten Verantwortungsträgern.
Wir alle wissen, dass es (zumindest in unserer Kultur, die die Menschen vornehmlich zu Passivität erzieht) weniger ein "mehr" und eher ein "weniger" ist.
Es ist also einleuchtend zu argumentieren, dass die Menschen "an die Hand genommen werden müssen" und genau das tun ja auch die Bildungseinrichtungen (Cosmopolitan, RTL, Infra-Test, uns wie sie alle heißen).
Die Frage ist nur, wer ist weise genug uns an die Hand zu nehmen?

Die Demokratie löst dieses Problem, indem sie sehr positiv davon ausgeht, dass jeder Mensch eigentlich am Besten weiß, was gut für ihn ist. Wenn jeder Mensch dann noch wählen darf, wie sein Staatssystem organisiert sein soll, müßte daher das bestmögliche Gesamtergebnis erzielt werden.

Wir ahnen aber auch dunkel, dass, wenn es wirklich so ablaufen würde, wie gerade beschrieben, dieses System nicht lange existieren würde.

Die moderne Demokratie ist eine Erfindung eines wohlhabenden Bildungsbürgertums, dass der Einengung durch Geburtsadel und Monarchie überdrüssig war. Dass es nach der Machtübernahme durch gebildete Kaufleute, Akademiker und Militärs einen wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung gegenüber der Monarchie gab, ergibt sich fast zwangsläufig aus der enorm erhöhten Wissenskapazität der Führungsriege - nicht aber aus dem System, wenn es auf das ungebildete Volk angewendet wird.

Deshalb wurden Demokratien grundsätzlich so gezimmert, dass alle politischen Entscheidungen stets von oligarchen Führungsgremien gefällt wurden und dem Volk lediglich eine Wahl der entscheidungsfällenden Gruppen aber möglichst nicht der Entscheidungen selber zugestanden wurde.

Ich halte dies für ein kluges Vorgehen, könnte mir aber eine qualifiziertere Art der Führungsauslese vorstellen:
Durch ein selbstlernendes System der Kompetenz- und Kompatibilitätsprüfungen, das ein jeder Entscheidungsträger durchlaufen muss.

Dieses System sei die Basis einer Bildungspyramide, die je nach Fähigkeiten Verantwortung und Machtbefugnisse verteilt.

Die nächste Frage lautet also: Wie könnte so etwas funktionieren?






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