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Poesie

Fragmente


Die größten Entdecker und Innovatoren waren immer diejenigen, die die bestehende gesicherte Erkenntnis anzweifelten.


Utopie verlangt Realitäten in's Auge zu sehen, aber sich nicht damit abzufinden.


Leben heißt unfertig sein.
Sonst könnten wir ja damit aufhören.


Aufstehen

1.
Vergrübel nicht Deine Zeit darüber, dass Du hingefallen bist
strampel lieber um einen Weg zu finden, wieder aufzustehen.

2.
Es ist nicht schlimm hinzufallen,
man bekommt dabei Routine im Aufstehen.

3.
Wer das Aufstehen beherrscht,
tut es schon während des Hinfallens
- das nennt man laufen.






Gedichte
Verlassen Abschied Liebe Eisenfuß Erotisches Nachtlied Die kleine Narbentrilogie



Verlassen

Ich kann Dir nicht verzeihen.
Dass ich ein Problem habe.

Ich kann Dir nicht verzeihen,
dass Du nicht mein Problem teilst.

Ich kann Dich nur hassen,
weil es mir nie gelingt, aufzuhören, mich nach Dir zu sehnen.

Ich verachte mich.
Mit Deinen Augen.
Innere Augen, die verachten und denen ich Deinen Namen gebe.

Ich bin gefangen.
Die Ausgänge sind verschüttet von Tränen des Hasses und der Verachtung.

Liebste.
Nie habe ich so geliebt.
Wie soll ich Dich aus meinem Herzen reißen?
Ich will es töten – mein Herz!
Will es endlich, endgültig und für alle Zeiten
zerstampfen – damit es nicht mehr für Dich schlägt.

Du hattest Recht mich zu lieben
mein Herz war voller Reichtum und Überfluss
Jeden Augenblick schenkte es Dir, mir und anderen.

Als Du weggingst ist mein Herz mitgegangen,
Du hast es zurückgeschickt –
es ist nie zurückgekehrt zu mir.

Nicht in Überfluss, sondern in Mangel und Sehnsucht,
schlägt es in einer leeren Hülle,
martert einen Zombie,
der versucht die Liebe woanders wieder zu finden.

Doch wo will ich sie finden, wenn nicht in mir selbst? Nur:
In mir sitzt mein Herz und lässt mich nicht herein
ohne Dich.

Mich zu finden, nehme ich mir vor.
Verwischte Tränen und ein tapferes Lächeln.
Doch heimlich plant mein Herz
Dich zu finden.

So schrecke ich zurück,
denn wenn ich mir begegne
und in meine Augen blicke,
schaust Du mich daraus an - und Dein Mitleid
schmerzt mehr noch als mein Hass.

Ich will heraus aus dem Kerker,
in den ich mich vor Dir geflüchtet habe. Doch:
Vor nichts habe ich noch mehr Angst,
als Dir zu begegnen.

Außer:
Es berührt Dich nicht einmal.




Abschied
(mit lachenden und weinenden Besuchern)

Hunger
Tränen und Wut
lösen sich
und schmelzen
wie das alte Eis längst vergessener Winter
in Eurem Lachen.

Ich Armer
der verwundert auf die Geißel blickt,
eben noch
auf jedem Rücken der sich bot-
meistens auf dem eigenen.
Was ist nur geschehen?
Soviel Schmerz und eigentlich
so wenig Grund.

Alles wird leicht.
Plötzlich sieht das Auge weit und klar.
Es ist vorbei.

Den Abgrund hinter mir,
kehre ich ein kleines Scherbenhäuflein
mit dem Fuß beiseite.

Schreite in ein neues Leben
so wie Ihr.
Voller Dankbarkeit und Liebe
winken wir uns ein Lächeln.





Liebe

Ich begehre Deine Geschenke.
Dass Du Dich veräußerst, Dein Schatzkästchen aufschließt, Dich ankuschelst und mir Deine Heiligtümer lächelnd in den Schoß legst.

Du gibst mir Dein Herzklopfen,
Dein Vertrauen.
Deinen Mut, Dein frohes helles Auflachen, Deinen Stolz auf Deine Geschenke, die Du dadurch wieder entdeckst – indem Du sie gibst,
in begierige, vorsichtige Hände.

Ich möchte alles nehmen, was Du mir geben magst – denn mit jedem Geben wirst Du glücklicher, stolzer, selbstbewusster und schöner.
Wie reich ich bin!
So reich, dass mein Nehmen ein Geben ist, durch das Du aufblühst und Dich verschenkst wie ein Baum voller köstlicher Früchte.

Was kann ich Größeres schenken als dieses?





Eisenfuß
Eisenfuß steht im Mus
und kummt nicht lus.
Er wurde gern, er hurrte ach,
doch ließ der Eisenfuß nicht nach.
Die die ihn sahn
die blieben stahn
und sagten "zieh den Schuh doch aus"
Doch dieser Fuß - er war ja mein
es hing an diesem Fuß mein Bein
und ohne Bein auf einem Stumpf
da fehlt ein festes Bein dem Rumpf
und diesen Rumpf, den brauch ich auch
er hält mein Herz mir mit dem Bauch
so muss ich in den Stiefel passen
will er mich auch nicht weiterlassen.
...




Erotisches Nachtlied
Du, Du, Du
fremd und nah
brennend zart
ein Duft
dringst in mich ein
so tief
das es weh tut.
Warum bist Du nicht draußen geblieben,
wo Du doch nicht so tief hineinkommst
bis in jenen Winkel
wo meine Seele ganz ich ist?

Du nur Du, siedend
Du bist so anders als ich.
Und dieses Du in mir,
um mich,
durch Dich.
Dein Saft - mein Schaft
Spermien in Deinem Bauchnabel
Atem, Herzschlag
In Deinen fremden Augen
der erste Sonnenstrahl.
Wie wird der Tag?






Die kleine Narbentrilogie


vom Gewinnen
Heute hast Du zum ersten Mal gelächelt,
als ich an Dir vorbeigelaufen bin.
Und aus schmalen Augen
hat Deine Seele mir zugezwinkert.


vom Verlieren
Heute habe ich den ganzen Tag nach Dir gesucht,
aber ich war nicht da.


Egoismus
Ich wünschte es wäre schwer für Dich
ohne mich zu sein.
Ich wünschte Du würdest das was ich wünsche
noch mehr als ich wünschen.
Ich wünschte ich könnte aufhören zu wünschen.





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